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Es gab wohl noch nie eine Generation, die so oft und so schnell stereotypisiert und abgeschrieben wurde. Die Jugend von heute sei unpolitisch, faul und schlucke nur den ewig gleichen, zähen Brei, den andere vorkauen und ausspucken. Es zähle nicht mehr die eigene Meinung, nur noch die Bestätigung der Masse.
Es gilt das Gegenteil zu beweisen! Wir glauben nicht an den Untergang des engagierten, neugierigen, wissensdurstigen Jungspunds, der Wahrheiten sucht und Lügner entlarvt. Denn in den Schülerzeitungsredaktionen und Hörsälen reift eine neue Generation von JournalistInnen heran. Eine Generation, die der Wurf ins kalte Wasser des 21. Jahrhunderts eisig erwischt hat und umso stärker macht. Eine Generation Macher und Kreativer, die sich nicht mit dem vorgelebten Trott abgibt und nur auf den richtigen Moment wartet, um sich Gehör zu verschaffen.
Aber wo finden diese JournalistInnen in der Masse der neuen Medien ihr Sprachrohr? Welche Chancen und Möglichkeiten bietet hierfür das Internet?
Bei den niedersächsischen Jugendmedientagen steht das kritische Bewusstsein dieser Generation im Vordergrund. Was bedeutet das überhaupt: kritisch sein? Wir wollen hohle Phrasen mit Inhalt füllen, denn kritisch sein bedeutet nicht, auf alles stumpf einzuhacken, was einem nicht passt. Auch die Kritik kritisch beäugen, Medien auf ihre Qualität prüfen, die eigenen Fragen noch hinterfragen, und die ständige Suche nach der Geschichte hinter der Geschichte gehört dazu. In einem Zeitalter, in dem immer alles noch viel schneller gehen soll und ständig neue Informationen auf uns einströmen, ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten.
Zumal kritischer Journalismus kein Kinderspiel ist. Und auch nicht unbedingt ein Satz auf Ruhm. Den kritischen JournalistInnen fällt nichts in den Schoß, sie rennen gegen verschlossene Türen und machen sich unbeliebt.
Doch das Herz der Demokratie schlägt im Takt der Ehrlichen, der Unverblümten und Unverblendeten. Ohne mutige JournalistInnen, die keine Grenzen kennen und vor keiner Blende zurückschrecken, verblutet es. Twitter kann uns zwar sagen, was gerade am anderen Ende der Welt passiert, aber es verrät nichts über die Menschen, über die Hintergründe, hakt nicht nach und deckt keinen Skandal auf.
Wir möchten zukünftige JournalistInnen sensibilisieren und ihnen Mut machen, sich nicht in die Irre leiten zu lassen, sondern ihren Weg zu gehen. Die Teilnehmenden sollen vier Tage lang kritisch diskutieren, kritisch denken, sich kritisch äußern, kritisch träumen. Sie leben nicht nur im Zeitalter der neuen Medien und des Web 2.0. Sie leben auch in der Zeit der Krisen. Im Zuge der Finanzkrise werden immer mehr Stellen abgebaut – auch in den Redaktionen. Die Auflagen sinken, die LeserInnen wandern ins Internet ab. Hat man da überhaupt noch die Möglichkeit, fundiert zu recherchieren? Was sind uns Informationen heute wert? Wo wollen wir hin? Was für eine Welt wollen wir um uns und was für eine Welt wollen wir hinterlassen? Was kann ich verändern? Wenigstens im Bewusstsein der anderen?
Der Begriff „Kritischer Journalismus“ macht ein weites Feld auf – genug Platz für die niedersächsischen Jugendmedientage 2010.
Unser Ziel ist es, die Vernetzung unter jungen MedienmacherInnen in Niedersachsen zu stärken und so das Tor zu einer pluralistischen und kritischen Medienlandschaft zu öffnen.
Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema legen wir einen Schwerpunkt auf das Erlernen journalistischer Fähigkeiten.